Löbauer Platz: Unsere Vision für einen Platz für Menschen

Was macht einen öffentlichen Platz zu einem guten Ort? Die Organisation Project for Public Spaces hat Tausende Plätze weltweit untersucht. Erfolgreiche Plätze haben demnach vier Dinge gemeinsam: Sie sind gut erreichbar und mit ihrer Umgebung verbunden. Sie sind behaglich und machen einen guten ersten Eindruck. Es gibt dort etwas zu tun. Und sie sind gesellig, also Orte, an denen man sich verabredet und Nachbarn begegnet.

Am Löbauer Platz fehlt heute fast alles davon. Wege sind kaum zu erkennen, das Pflaster ist geflickt und schadhaft, und wer den Bus nehmen will, wartet auf einer Verkehrsinsel. Sitzgelegenheiten gibt es kaum, der Platz wirkt vernachlässigt. Außer Verkehr findet hier nichts statt. Es gibt keine Angebote für Familien, Kinder und ältere Menschen und als Treffpunkt für die Nachbarschaft spielt der Platz keine Rolle.

Das hat auch historische Gründe: Die heutige Gestalt des Platzes stammt aus der Zeit der Industrialisierung, als Bahnhof, Lagerhäuser und Laderampen entstanden und reger Lieferverkehr den Platz prägte. Heute stehen die Lagerhäuser leer und der Güterverkehr auf der Schiene ist vollständig verschwunden. Zu dieser Situation passt der Platz nicht mehr.

Warten auf der Verkehrsinsel, mit Blick auf Flickwerk und ein Warnschild vor Straßenschäden.
Viel Fläche, aber kein Ort zum Verweilen.

Eine Arbeitsgruppe von Zittau kann Mehr mit Dirk Bühler, Jürgen Wegerich, Markus Weiland und Tilo Zachmann hat sich deshalb gefragt: Wie könnte dieser Ort aussehen, wenn wir ihn konsequent für Menschen gestalten? Aus mehreren Hundert Fotos entstand ein 3D-Modell des heutigen Platzes. Auf dieser Grundlage haben wir Skizzen entworfen, in mehreren Runden diskutiert und verbessert und schließlich in das Modell übertragen. Den Entwurf haben wir der Stadtverwaltung übergeben, verbunden mit der Empfehlung, unsere Vision immer dann zu berücksichtigen, wenn künftig Planungen für den Platz anstehen.

Der Löbauer Platz heute aus der Vogelperspektive: eine große, graue Asphalt- und Pflasterfläche mit drei Rasen-Verkehrsinseln, darauf einzelne Bäume, Schilder und eine Litfaßsäule. Am rechten Rand parken Autos, ringsum stehen mehrgeschossige Altbauten.
Visualisierung des Löbauer Platzes aus derselben Vogelperspektive: Wiesen und junge Bäume statt Asphalt, verbunden durch Fußwege. In der Mitte liegt ein naturnah gestaltetes Rückhaltebecken mit Steinen und Holzsteg, daneben ein Sonnensegel und Bänke. Links hält ein roter Bus an einer überdachten Haltestelle, oben stehen ein Café und ein Marktstand. Straßen verlaufen nur noch am Rand.
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Der Löbauer Platz aus der Vogelperspektive, heute und in unserer Vision.

Was uns beim Entwerfen geleitet hat

  • Menschen statt Autos: Der Platz wird zum Ort für Aufenthalt und Begegnung. Autoverkehr fließt und parkt nur noch am Rand. Die Fahrbahnen werden teils schmaler, alle bestehenden Straßenverbindungen bleiben aber erhalten.
  • Leben auf dem Platz: Bänke, Ruhepunkte und offene Flächen machen den Platz zum Treffpunkt. Bezüge zu Zittau und seiner Umgebung, etwa zu Robur oder zur Idee einer Dreiländerbrücke, geben ihm ein eigenes Gesicht. Ein Café oder Marktstände würden den Platz zusätzlich beleben. Ob es dazu kommt, entscheiden am Ende Gastronomen und Händler. Ein einladender Platz schafft dafür aber erst die Voraussetzungen.
  • Grün und Wasser: Wo heute Pflaster und Asphalt liegen, wachsen Wiesen, Sträucher und Bäume. Sie spenden Schatten, kühlen im Sommer und bieten Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung und Unterschlupf. Ein Becken in der Mitte hält bei Starkregen das Wasser zurück, bis es versickern oder langsam abfließen kann. Die drei bestehenden Bäume bleiben erhalten.
  • Gute Wege und eine gemeinsame Haltestelle: Der Platz wird zu Fuß besser erreichbar, besonders von der Nordstraße aus. Es gibt weniger Querungsstellen und eine hochwertige, schattige Bushaltestelle für alle Linien und Richtungen. Feuerwehrzufahrten und Sichtachsen bleiben gewahrt.

Mit Kosten, Normen und Vorschriften haben wir uns dabei bewusst nicht befasst. Wir wollten dennoch keine Luftschlösser bauen, aber zeigen, was möglich ist. Beim Modellieren wurde uns klar, wie groß der Platz tatsächlich ist: rund 50 mal 60 Meter, mit viel Raum für weitere Ideen.

Wiesen und Bäume statt Pflaster, in der Mitte ein Rückhaltebecken für Starkregen.
Ein Platz, an dem sich ein Café lohnen könnte, mit barrierefreien Wegen für alle Generationen.
Raum für Marktstände, etwa mit regionalen Produkten.
Eine gemeinsame, schattige Haltestelle für alle Buslinien und Richtungen.
Ein großer Robur-Schriftzug als Blickfang erinnert an Zittaus Fahrzeugbau-Geschichte.

Die Landesgartenschau 2032 als Chance

Mehrere Monate nachdem wir mit unserer Arbeit begonnen hatten, hat der Stadtrat die Stadtverwaltung beauftragt, Zittau für die Sächsische Landesgartenschau 2032 zu bewerben. Der Löbauer Platz ist Teil der Bewerbung und soll im Anschluss an die Gartenschau neu gestaltet werden. Für unsere Vision könnte der Zeitpunkt kaum besser sein.

Für die Stadtplanung ist 2032 nicht weit entfernt. Eine fertige Planung für den Platz wird es bis dahin voraussichtlich noch nicht geben. Gerade darin liegt eine Chance: Während der Gartenschau können die bis dahin gesammelten Ideen direkt vor Ort gezeigt werden, sichtbar für alle Zittauerinnen und Zittauer und ihre Gäste. So kann die Gartenschau zum Anstoß werden, dass die Stadtverwaltung auf Grundlage der Ideen eine offizielle Planung erarbeitet, die der Stadtrat anschließend zum Bau beschließen kann.